Weltreise planen: Francis und Sabrina

Francis Markert (27) hat sehr schnell Karriere gemacht. Schon während seines Studiums leitete er ein Onlinemarketing-Team mit zwölf Mitarbeitern, später die Marketing-Abteilung eines Startups. Doch zufrieden war er nicht, auch nicht nach einem Jobwechsel. Nach einer Reise hat es bei dem digitalen Nomaden Klick gemacht, weshalb er mit seiner Freundin Sabrina Herrmann (und einer Drohne) seit etwa einem Jahr durch die Welt zieht. Im Interview spricht er darüber, wie man eine Weltreise planen sollte und über Einnahmen aus seinem Reiseblog.

Journalito: Wieso eine Weltreise?
Francis: Den Wunsch, eine Weltreise zu machen, trage ich schon ziemlich lange mit mir herum. So richtig ernst genommen hatte ich meine innere Stimme aber nie. Das hat sich schlagartig nach einer Neuseeland-Reise geändert. Als ich in Frankfurt am Main aus dem Flieger gestiegen bin, war mir plötzlich klar, was ich wollte, und dass ich bereit war, meinen aktuellen Lebensstandard dafür aufzugeben.

Journalito: Wie habt Sabrina und du die Reise geplant? Oder plant ihr unterwegs?
Francis: 
Wir haben geschaut, welche Reiseländer wir spannend finden, und uns eine grobe Route für die ersten Monate zurechtgelegt. Die Route hat die ersten Wochen unserer Weltreise nicht überlebt. Mittlerweile planen wir höchstens einige Wochen im Voraus. Lieber haben wir es, wenn wir von Tag zu Tag schauen können, auf was wir gerade Lust haben. Trotzdem würde ich jedem empfehlen, eine grobe Route vorab festzulegen, um die Finanzierung der Weltreise besser planen zu können.

Journalito: Apropos: Wie finanziert ihr euren Trip?
Francis: 
Für das erste Jahr unserer Weltreise haben wir beide jeweils 10.000 Euro gespart. Wir arbeiten unterwegs für unseren Blog und unsere Videos und wir schreiben Reiseberichte für eine Lokalzeitung. Derzeit deckt das noch nicht unsere Reisekosten. Das haben wir nach dem Zeitraum aber auch noch nicht erwartet. Um von einem Reiseblog leben zu können, braucht man schon noch etwas mehr Zeit.

Journalito: Welche Einnahmen habt ihr aus eurem Blog? Lohnen sich die Affiliate-Links und der Spende-Button?
Francis: 
Bisher gab es nur eine einzige Spende, jedoch waren das gleich mal 100 Euro. Da freuen wir uns schon drüber. Davon können wir zwei Tage leben. Bei den Affiliate-Links generieren wir tatsächlich stabile Einnahmen, diese befinden sich pro Monat im oberen zweistelligen Bereich. Das sind natürlich auch nicht die Beträge, mit denen wir unsere Reisekosten decken können.

Journalito: Das Reisen mit einer Drohne ist ein Schwerpunkt auf eurem Blog. Was steckt dahinter?
Francis: 
Wir haben darüber nachgedacht, was wir unseren Lesern bieten können, was es noch nicht gibt. So sind wir im Gespräch mit Sabrinas Eltern auf eine Drohne gekommen. Soweit wir wissen, sind wir die ersten deutschsprachigen Reiseblogger, die mit einer Drohne reisen. Für mich als Technik-Fan ist es aber auch ein Hobby. Es macht einfach viel Spaß, mit einem Multikopter zu fliegen, und die Aufnahmen sind oftmals unglaublich schön.

Journalito: Welche Pläne habt ihr für die Zeit nach der Reise oder wollt ihr ständig unterwegs sein?
Francis: 
Es gibt bisher keine konkreten Pläne für danach. Irgendwann werden wir wieder sesshaft. Das kann in einem Jahr passieren, aber auch erst in drei oder fünf Jahren. Wir spinnen ab und zu mal über Zukunftsvisionen, aber wir machen uns da selber keinen Stress. Unser Abenteuer wird uns noch genug prägen und wir werden sehen, wo uns die Reise hinführt.

Journalito: Welche Ziele habt ihr mit dem Blog?
Francis: 
In erster Linie wollen wir unseren Lesern mit erstklassigen Inhalten bei ihrer Reiseplanung helfen oder sie zu neuen Abenteuern inspirieren. Als untergeordnetes Ziel sehen wir die Monetarisierung des Blogs an. Der Weg zu diesem Ziel ist nicht einfach und braucht Zeit. Da ich mich aber beruflich mit genau diesen Themen beschäftigt habe und wir auf einem guten Weg sind, sind wir sehr zuversichtlich, dass wir das schaffen.

Weltreise-Francis-Markert-my-road.de

Zusammen auf Weltreise: Sabrina und Francis.

Journalito: Wie stehst du persönlich zum Modell des „9 to 5“-Jobs?
Francis: 
Ich habe irgendwann festgestellt, wie fremdgesteuert mein Leben im Angestelltenverhältnis war. Mir wurde vorgeschrieben, zu welchen Uhrzeiten ich am produktivsten zu sein hatte. Das entsprach überhaupt nicht meinem Biorhythmus. Im Nachhinein sehe ich das zwar als wertvolle Erfahrung an, aber auch als verschwendete Zeit.

Journalito: Was sind die größten Schwierigkeiten und die schönsten Seiten des Lebens als digitaler Nomade?
Francis: 
Ich brauche zum Produktivsein idealerweise einen geregelten Tagesablauf. Leider fiel es uns bisher sehr schwer, einen Rhythmus zu etablieren. Überall sind die Bedingungen anders und wenn wir reisen, können wir uns vorab auf ziemlich wenig verlassen. Das stört mich persönlich am meisten. Auf der Sonnenseite steht natürlich die Freiheit, immer selber entscheiden zu können, wann und wo wir arbeiten wollen. Wenn ich gerade nicht produktiv bin, dann gehe ich eben zum Training und fange später erneut an. Das finde ich viel besser, als dann gezwungenermaßen zweitklassige Ergebnisse zu produzieren, wie es bei einem klassischen Büro-Job der Fall wäre.

Journalito: Wie wichtig ist Vernetzung unter digitalen Nomaden?
Francis: 
Wir finden es sehr wichtig, uns mit anderen Bloggern und Nomaden zu vernetzen. Wir können alle voneinander profitieren, wenn wir uns gegenseitig helfen und uns nicht als Konkurrenz wahrnehmen. Am Ende muss aber jeder für sich selbst entscheiden, wie stark er sich mit anderen Bloggern austauschen möchte. Es gibt genug Blogger, die auch ohne Networking erfolgreich sind.

P.S. Falls du wissen möchtest, wie du Arbeit findest, die du liebst, habe ich einen Buchtipp für dich:

Liebe-deine-Arbeit-katharina-pavlustyk

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2 Comments

  • Reply lina 2. Januar 2016 at 12:35

    Hallo, deine Berichte, Katharina, werden interessanter und bitten mehr information, dass finde ich gut und spannend. Und obwohl ich selbst keine Nomadin bin, finde ich deine Texte darüber immer wieder lesenswert und bereichernd!

    • Reply journalito 3. Januar 2016 at 9:57

      Vielen Dank, Lina.
      Das lese ich sehr gern.
      Liebe Grüße
      Katharina

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