Gutes tun, Berufung leben: Stella Airoldi

„Was du für dich selbst tust, stirbt mit dir. Was du für andere machst, bleibt für immer.“ Dieser Spruch hat für Stella Romana Airoldi eine große Bedeutung. Die Holländerin hat ein soziales Projekt in Uganda ins Leben gerufen. Sie will Gutes tun und ihre Berufung leben. Hier ist ihre Geschichte.

„2009 war ich in Uganda. Ich habe damals Jura studiert und wollte meine Masterarbeit über Mädchen schreiben, die als Kindersoldaten in der Widerstandsarmee gedient hatten. Diese Mädchen sind mittlerweile erwachsene Frauen, die in einem Quartier für Kriegsopfer in der Hauptstadt Kampala leben. Sie stellen einfachen Schmuck aus Papier her. Um sie zu unterstützen, habe ich ihnen Schmuck abgekauft und in den Jahren danach immer wieder welchen bestellt.

Freunde haben mich nach anderen Farben und Größen gefragt und ob die Frauen in Uganda auch anderen, speziellen Schmuck anfertigen können. Als dieser ankam, waren meine Freunde begeistert und es entstand die Idee, die Schmuckstücke zu verkaufen.

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Ich bin wieder nach Uganda gereist, um Frauen auszusuchen, mit denen ich arbeiten würde. Seit Ende 2013 kann man Ohrringe, Ketten, Handtaschen und andere Artikel in meinem Online-Shop 22STARS kaufen. Ich helfe den Frauen mit den Designs, überwache die Qualität, kümmere mich um das Marketing. Außerdem habe ich ein Projekt gestartet, um Schulgeld für die Kinder dieser Frauen zu sammeln.

Die Menschen in Uganda haben so viel Talent. Leider bekommen sie oft keine Chance, um sich weiterzuentwickeln. Ich arbeite mit Frauen, die Aids haben und keine Ausbildung, die nicht lesen und schreiben können. 

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Wenn es einem nur darum geht, schnell Geld zu verdienen, kann man bestimmt besser ausgebildete Mitarbeiter finden. Aber ich wollte unbedingt mit den Frauen arbeiten, weil sie null Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Sie sind Kriegsflüchtlinge, sprechen oft eine andere Sprache als die Bewohner Kampalas und werden diskriminiert.

Ich habe trotz ihrer schlimmen Vergangenheit eine Zukunft für sie gesehen. Sie möchten arbeiten und sie möchten lernen. Es ist so schön zu sehen, wie sich die Frauen weiterentwickelt haben. Sie machen jetzt wirklich tollen Schmuck. Und ich zeige ihnen, wie sie ihr eigenes Business aufbauen können, um unabhängiger zu sein.

Was du für dich selbst tust, stirbt mit dir. Was du für andere machst, bleibt für immer. Das ist einer meiner Lieblingssprüche. Ich hoffe, dass ihn sich jeder zu Herzen nimmt, der ein Business starten möchte. Mich macht es glücklich, wenn ich sehe, dass ich mit dem, was ich tue, nicht nur meiner eigenen Passion folge, sondern auch anderen helfen kann.

Mit 22STARS mache ich jeden Tag das, was mir Spaß macht. Natürlich gibt es auch Dinge, die mir weniger Freude bereiten, die aber getan werden müssen. Die Steuererklärung zum Beispiel oder wenn es in Uganda Schwierigkeiten gibt, die gelöst werden müssen. 

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Für jeden gibt es so etwas wie eine Berufung. Ich habe Jura studiert, nicht nur in Holland, sondern auch im Ausland. Hätte ich nicht unterschiedliche Länder kennengelernt, würde ich jetzt vielleicht in einer Anwaltskanzlei arbeiten. Dennoch hätte ich damit aufgehört, hätte mich mein Weg zu meinem Uganda-Projekt geführt, weil ich die Frauen schon 2009 kennengelernt habe. 

Es ist wichtig, seinem Herzen zu folgen, seinem Gefühl. Es ist wichtig das zu tun, was du gern machst, wenn du deine Berufung leben willst. Also nicht nur rational zu denken und ans Geldverdienen, sondern auch mal Risiken einzugehen.

Für mich war es sehr leicht, herauszufinden, was ich gern mache. Ich wollte schon immer nach Afrika und seit ich mehr reise, wollte ich schon immer anderen Menschen helfen. Seit ich ein Kind bin, liebe ich Schmuck, Fotografie, ich mag es, Sachen zu entwerfen und zu verwirklichen. Bei mir ging es also darum, A und B zusammenzubringen. 

Schaue, ob du mit deinem Hobby Menschen helfen kannst. Das könnte dein Business sein.

Natürlich läuft nicht immer alles glatt. In jedem Business wirst du Misserfolge haben. Ich versuche, mich nicht zu sehr auf sie zu konzentrieren. Einfach herunterschlucken, mit Freunden darüber reden, sich ablenken. Ich lasse nicht zu, dass mich negative Erlebnisse von meinem Weg abbringen und mache einfach weiter.

Lass dich nicht unterkriegen. Nach jeder Tür, die sich schließt, öffnet sich eine andere.

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Ich habe im vergangenen Jahr eine Menge gelernt. Wenn etwas nicht nach Plan läuft, schaue ich sofort nach vorn und versuche, daraus zu lernen. In meinem ersten Jahr mit 22STARS gab es viele Enttäuschungen, die mir zunächst meine Energie und meine positive Einstellung geraubt haben. Wenn du das zulässt, geht es nur noch bergab. 

Glücklicherweise waren zu diesem Zeitpunkt viele Menschen in meinem Leben, die mich ermutigt haben weiterzumachen. Ich habe verstanden, dass ich solche Menschen brauche, die mich aufbauen und an mich glauben – vor allem, wenn ich Rückschläge erleide.

Umgib dich mit positiven Menschen, die dich bestärken. Lass dich nicht durch Rückschläge entmutigen, konzentriere dich immer auf dein Ziel.

Mein Ziel ist es, mehr Kinder in die Schule zu schicken und dass die Frauen mit dem Schmuck aus Papier genug Geld verdienen. 

Mein Vorbild ist Coco Chanel. Ich liebe ihre zeitlosen Designs. Außerdem ist sie der Inbegriff der Kreativität, eine Selfmadefrau. Ihre Designs waren zu ihrer Zeit revolutionär. Sie verwendete Elemente der Männerkleidung und setzte auf Komfort statt auf Zwänge der damaligen Mode. 

Sie hat Frauen geholfen, sich von Korsetts und anderen einengenden Kleidungsstücken zu verabschieden. Das ist auch mein Ziel mit 22 STARS: Schmuck, der angenehm zu tragen ist.“

Hier geht es zu Stellas Facebook-Profil: www.facebook.com/stella22stars
Das ist der Link zu ihrem Instagram-Profil: www.instagram.com/22stars_com

Wer sich vor Ort anschauen möchte, wie der Schmuck für 22STARS entsteht: Der Anbeiter Vayando organisiert Tagesausflüge ins Acholi-Quartier in Kampala.

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2 Comments

  • Reply Julia 13. Oktober 2016 at 14:07

    Das ist wirklich eine wundervolle, inspirierende Geschichte von einer Frau, die so viel Power hat. Ich habe Stella auf der ersten Nomad Cruise kennengelernt, aber lese hier zum ersten Mal ihre ganze Geschichte. Ich finde ihr Engagement, Begeisterung für die Sache und Marketing-Talent wirklich bemerkenswert. Toll, wenn man seine Gaben für eine solch großartige Sache einsetzt. Danke fürs Aufschreiben!

    • Reply journalito 13. Oktober 2016 at 14:14

      Liebe Julia,

      vielen Dank für deine Worte. Ich finde auch großartig, was Stella macht. Mit wie viel Herzblut sie dabei ist…
      Liebe Grüße
      Katharina

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