Geld verdienen mit dem Herzensprojekt: Huong Tran

Eine sinnvolle Arbeit – oder eine, mit der sich Geld verdienen lässt. Erfüllung vs. Kohle. Viele Menschen haben das Gefühl, sich für das eine oder das andere entscheiden zu müssen. Dass sie beides haben können – berufliche Erfüllung UND einen guten Verdienst aus dieser Arbeit –, zeigen viele Beispiele. Das von Huong Tran etwa.

Huong hat sich schon als Kind für kreative Dinge begeistert: fürs Malen, Schreiben, für Handarbeit. In der Schule war sie ausgezeichnete Schülerin, wenn es um Sprachen ging. Sie liebte die Schulbibliothek und las eine Menge Bücher. Angefangen zu schreiben hat sie dank einer Lehrerin: Auf einer Klassenfahrt in der vierten Klasse sollten Huong und ihre Mitschüler Tagebuch führen. „Das fand ich so schön und habe von da an bis ins Studium fast jeden Tag geschrieben. Das Schreiben hat mir geholfen, Dinge zu verarbeiten. Ich hatte großen Spaß daran“, sagt sie.

Dieser Spaß entwickelte sich weiter und wuchs zu einer Leidenschaft. Huong schrieb erste Geschichten: „Das waren Drehbücher, die ich nur so für mich geschrieben habe. Ziemlich laienhaft, aber ich hatte Lust dazu.“

So weit, so gut. Huong schrieb unheimlich gern. Aber mit dem Schreiben Geld verdienen? Das war für sie eine abwegige Vorstellung.

Wieso? „Ich habe nie gedacht, dass das ein Beruf sein kann“, sagt sie. Nach dem Wunsch ihres Vaters sollte sie Ingenieurin, Ärztin oder Betriebswirtin werden. Er wollte das Beste für Huong – und sie vertraute seinem Rat.

Nach dem Abitur studierte sie BWL, weil sie dachte: Damit finde ich auf jeden Fall einen Job, Unternehmen gibt es ja wie Sand am Meer. Doch das Studium langweilte sie schrecklich, es war eine Qual für sie, in den Vorlesungen zu Statistik oder Mathe zu sitzen. Schon in der Schule hatte sie Mathe verabscheut. „Rückblickend war dieses Studium die schlimmste Zeit in meinem Leben“, sagt Huong.

Okay. BWL war es also nicht. Wie sollte es dann weitergehen?

Huong war in eine Sackgasse geraten. So fühlte sie sich damals. Sie war absolut perspektivlos und hatte keine Ahnung, was sie machen sollte. Keine Ausbildung, abgebrochenes Studium. Und nun? Diese Erfahrung, wieder von vorn anfangen zu müssen, hat Huong im Nachhinein gestärkt. Heute weiß sie, dass wir im Leben manchmal nicht weiterkommen, wenn wir den für uns falschen Weg gehen.

Natürlich hätte sie das Studium durchziehen und sich einen gut bezahlten Job suchen können. So viele Menschen machen genau DAS. Durchziehen, kämpfen, durchhalten. Sie halten an etwas fest, das ihnen, ihrem Wesen oder ihren Werten nicht entspricht. Sei es eine Ausbildung, ein Studium, ein Job oder eine Beziehung. Sie erleiden Rückschläge und gehen durch Krisen – und bekommen den Eindruck, dass das normal ist. Dass es eben allen so geht. Das Leben ist aber nicht hart und ungerecht.

Das Leben gibt dir das, worauf du deinen Fokus ausrichtest. Wenn du denkst, dass alles schwer ist, dann wird das auch so sein.

Wenn du ständig das Gefühl hast, du MUSST etwas tun, du musst kämpfen oder im Job schuften, wenn du unzufrieden bist, lebst du in einem ständigen Mangel. Pessimisten leben im Mangel: Das Glas ist für sie immer halbleer. Das Gefühl von Mangel entsteht in den meisten Fällen im Kopf.

Klar, wenn du am Existenzminimum lebst und deine Familie gerade so ernähren kannst, dann kann das sehr zermürbend sein. Aber auch hier nützt es dir nichts, über deine schwierige Situation zu klagen. Du kannst deinen Fokus auf die schönen Dinge richten; darauf, dass du eine Familie hast. Ein Dach über dem Kopf.

Apropos Kopf: Unser Gehirn verhält sich so, als wären darin ein Denker und ein Beweisführer.

Der Denker kann alles Mögliche (und Unmögliche) denken. Und wir denken jeden Tag sehr viel. Beim Blick in den Spiegel denken wir über unser Aussehen nach. Auf dem Weg ins Büro denken wir über die Arbeit nach, über unsere Beziehungen und täglichen Aufgaben. Etwa 65.000 Gedanken haben wir tagtäglich. Komplizierte Gedankengänge, teils widersprüchliche Gedanken.

Viel einfacher gestrickt ist der Beweisführer. Seine einzige Aufgabe besteht darin zu beweisen, was immer der Denker denkt. Simples Beispiel: Du interessierst dich für ein bestimmtes Automodell und suchst danach im Internet. Der Beweisführer filtert daraufhin die Flut an täglichen Informationen auf dieses Automodell hin. Deswegen siehst du es ständig auf der Straße oder in der Werbung.

Aber zurück zu Huong. Sie entschied sich damals für ein anderes Studium – diesmal eines, das sie spannend fand.

Huong vertritt den Standpunkt, dass wir im Leben Entscheidungen treffen und die Richtung ändern dürfen, wenn etwas nicht funktioniert. Sie studierte Sozialpsychologie und Pädagogik und später, im Master, noch Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Internationale Politik. „Ich habe mich sehr für die Entwicklungspolitik interessiert und wollte in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sein“, sagt sie. Während des Studiums arbeitete sie drei Monate in einem Waisenhaus in Afrika. Sie sammelte wertvolle Lebenserfahrung und erweiterte ihren Horizont. Für diese Art Arbeit war sie jedoch ungeeignet: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir das Leben der Kinder nachhaltig verbessert haben.“

An das Schreiben hat Huong zwischendurch immer wieder gedacht. Aber die Überzeugung, dass sie mit dem Schreiben kein Geld verdienen kann, saß tief.

Außerdem hätte sie, wenn sie sich für den Journalismus entschieden hätte, nach vier bis fünf Jahren Studium noch ein bis zwei Jahre ein Volontariat bei einem Magazin oder einer Zeitung machen müssen. Der Weg erschien ihr unerreichbar lang. Und sie wollte endlich Geld verdienen und unabhängig sein.

Doch das gelang ihr nach dem sozialwissenschaftlichen Studium auch nicht so recht. „Durch ein Praktikum an einem Institut für Entwicklung und Frieden habe ich nochmal gespiegelt bekommen, dass ich nicht für diesen Bereich geeignet bin“, sagt Huong. Mehr als 80 Bewerbungen hat sie geschrieben – kein Erfolg.

Die Absagen haben Huong in eine Krise gestürzt. Erst im Nachhinein hat sie verstanden, dass die Jobs, auf die sie sich bewarb, schlicht und einfach nicht das Richtige für sie waren.

Die Krise war gleichzeitig die Chance auf einen Neubeginn. Denn zum ersten Mal hat sich Huong damit beschäftigt, was sie wirklich gut kann und was sie gern macht. Sie dachte: Ich habe immer gern gelesen, vielleicht sollte ich etwas mit Büchern machen. Sie schrieb eine Handvoll Bewerbungen an Verlage und hatte direkt positive Rückmeldungen von zwei Verlagen. Gleich nach dem ersten Vorstellungsgespräch ergatterte sie das Verlagsvolontariat.

Neun Monate hatte sie nach ihrem Studium Arbeit im sozialen Sektor gesucht – vergeblich. Erst die Frage nach ihrer inneren Motivation hat sie weitergebracht. „Seitdem bin ich total zufrieden. Ich habe vier schöne Jahre bei diesem Verlag gearbeitet und viel gelernt“, sagt Huong. Schließlich ist sie den Weg doch gegangen, der ihr damals so unendlich lang erschien. Aber es hat sich als richtig erwiesen.

Heute arbeitet sie freiberuflich für den Verlag und für andere Medien, sie schreibt Bücher, bloggt über Minimalismus und das Schreiben und sagt: „Ich kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen.“

Alles, was sie heute tut, ist auf ihre Berufung ausgerichtet: auf das Schreiben. Nach mehreren Umwegen hat Huong verstanden, was ihr wichtig ist. Sie hat für sich definiert, wie sie leben und arbeiten will. „Wann immer ich das Gefühl habe, der Welt etwas sagen zu wollen, dann schreibe ich es auf“, stellt sie fest. Geld verdienen mit seiner Leidenschaft: Das ist für Huong Realität.

Sicherlich können sich Interessen im Laufe des Lebens verschieben. Seine Berufung zu leben heißt nicht, dass man sich bis zum Lebensende an nur eine Sache klammert. Berufung leben bedeutet auch, dass man sich entwickelt und sich wie eine Blume in jene Richtung wendet, aus der das Licht, die Wärme, die Sonne kommt.

Wenn du dich mit Dingen beschäftigst, die dich erfüllen, wird das Leben leicht. Natürlich können auch Hindernisse auftauchen. Doch die Basis deiner Tätigkeit ist Zufriedenheit – und das zeigt sich auch in anderen Lebensbereichen.

Huong etwa bloggt und schreibt Bücher, nicht weil sie daran denkt, ob und wie viel Geld sie mit diesen Projekten verdienen kann. „Wenn du ein Buch nicht aus Geldgründen schreibst, sondern weil du es schreiben WILLST, weil du deine Erfahrungen weitergeben willst und das Thema dich begeistert, spüren das die Leser“, ist sie überzeugt.

Wenn das Schreiben auch dich fasziniert, musst du jedoch nicht sofort deinen Angestelltenjob kündigen und alle Brücken abreißen. „Du kannst auch nebenbei schreiben“, sagt Huong. Dann geht es lediglich darum, welche Prioritäten du dir setzt. Dann kommt es darauf an, ob es dir wichtiger ist, den Abend vor dem Fernseher zu verbringen oder mit etwas, das dir Freude bereitet. „Wenn du mit Leidenschaft an etwas arbeitest, klappt das auch mit dem frühen Aufstehen.“

Allerdings darfst du bedenken, dass jeder sich unterschiedlich schnell entwickelt. Alles hat seine Zeit.

Huong hat einige Jahre gebraucht, um ihren Weg zu finden. Als ihre Lebensaufgabe versteht sie, für ihre kleine Tochter da zu sein und sie zu ermutigen, ihre Träume zu leben. Punkt eins. Punkt zwei ist (natürlich) das Schreiben. „Das ist, was mich ausmacht, was ich bin, was mich zufrieden macht“, sagt sie.

Wenn du gerade unzufrieden mit deiner Situation bist, frage dich:

Was ist dir wichtig?
Was kannst du tun, um deine Situation zu verändern/verbessern?
Wie willst du stattdessen leben oder arbeiten?
Was begeistert dich, was bringt deine Augen zum Leuchten?

Bleibe nicht in der Opferrolle, werde tätig. Warte nicht, bis etwas passiert. Werde zum Gestalter deines ganz persönlichen Glücks.

Das kann – je nach Interessen, Neigungen, Stärken und Werten – unterschiedlich sein. Du musst nicht selbständig arbeiten, wenn Sicherheit ein wichtiger Aspekt für dich ist. Du musst nicht gleich deinen Job kündigen, wenn du dir große Sorgen darüber machst, wie du mit deiner Leidenschaft Geld verdienen sollst.

Es gibt zwei Auswege, um zufrieden zu sein:
Du fängst an, das Gute in deinem Leben und deiner Situation zu sehen.
ODER
Du fängst an, etwas an deiner Situation zu verändern.

Welchen wählst du?

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