Was ist meine Berufung? Der Weg von Katharina

Was ist meine Berufung? Wie kann ich ortsunabhängig leben und arbeiten? Katharina (33) hat ihren Weg, ihre Antwort gefunden. Sie ist Texterin, Bloggerin, Buchrezensentin und Sprachdozentin, die überall auf der Welt zu Hause ist.

„Ich habe Festanstellungen ausprobiert und bald gemerkt, dass diese Art zu arbeiten nichts für mich ist“, sagt Katharina. Die Düsseldorferin – hier befindet sich ihre Homebase – hat vor zweieinhalb Jahren ihr eigenes Lebens- und Arbeitskonzept entwickelt: Als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache ist sie an Sprachinstituten und Hochschulen quasi überall auf dem Globus tätig. Daneben schreibt die Freelancerin Buchrezensionen und Blogbeiträge – neuerdings für ihre eigene Reise- und Lifestyle-Page „So nah und so fern“, schon länger für das Online-Magazin „Im Gegenteil“ und den Reiseblog „Lilies Diary“.

Frei sein und Zeit selbst einteilen

Aktuell unterrichtet die 33-Jährige an einem College im malaysischen Bandar Utama, das sich im Ballungsraum von Kuala Lumpur befindet. Danach kehrt die Teilzeitnomadin, die etwa die Hälfte des Jahres unterwegs ist, nach Deutschland zurück. Ihr Leben plant sie meistens etwa für ein halbes Jahr. „Viel längere Zeiträume sind nicht möglich bei meinem Job“, erklärt sie. Und auch wenn ihre Einkünfte heute etwas geringer ausfallen als zu Angestellten-Zeiten: „Ich will freier sein, mir meine Zeit einteilen können, selbst entscheiden, wann ich wo arbeite und vor allem nicht im Namen der Arbeit sinnlos Zeit absitzen, wie es bei Bürojobs oft der Fall ist.“ Sie sei nicht reich, habe jedoch alles, was sie brauche. „Sicherheit ist schön und gut, aber nicht um den Preis meiner persönlichen Freiheit.“

Frauenbild im 21. Jahrhundert

Die Selbständige, eine Vertreterin der „Generation Y“, die nach mehr Bedeutung im eigenen Tun strebt und klassische Modelle hinterfragt, ist froh über die Optionen, die ihr, aber auch Gleichgesinnten offenstehen: „Wir haben einfach Möglichkeiten, die unsere Eltern und erst recht unsere Großeltern nicht hatten. Besonders wir Frauen. Was wäre denn gewesen, wenn meine Oma sich entschlossen hätte, als Single durch die Weltgeschichte zu gondeln, kinderlos zu bleiben und mal hier, mal da zu arbeiten? Das wäre so gut wie unmöglich gewesen und sicherlich hätte man sie gesellschaftlich verstoßen“, führt Katharina aus. Noch heute sei es so, dass viele Menschen die Stirn runzeln, wenn sie hören, dass eine Frau, deren 30. Geburtstag schon länger zurückliegt, dennoch ortsunabhängig arbeitet und keine Familie plant. „Das passt auch aktuell immer noch nicht in das ideale Frauenbild, das die meisten in Deutschland haben. Ganz zu schweigen vom Frauenbild in vielen anderen Kulturen.“

Digitaler Nomade = Organisationstalent

Natürlich sei das Leben als Freelancer oder digitaler Nomade nicht für jeden etwas. Viele Menschen brauchen vorgegebene Strukturen.  Diejenigen, die für sich das Gegenteil wählen, sollten sich selbst nach Katharinas Worten jedoch gut organisieren und motivieren können. „Ich denke, dass man generell eine Person sein muss, die gern mit sich allein ist. Denn immer ,on tour‘ bist du oft allein“, fügt die Globetrotterin, die mehr als 30 Länder kennengelernt hat, hinzu. An ihrem Lifestyle schätzt sie am meisten das Gefühl, lebendig zu sein. „Es war schon immer mein größter Traum, die Welt zu sehen und möglichst viel über andere Kulturen zu erfahren“, so die junge Frau. „Seit ich Deutsch als Fremdsprache unterrichte, habe ich jeden Tag mit Menschen aus anderen Kulturen zu tun, was für mich extrem spannend ist. Und das Schreiben von Reiseartikeln gibt mir ebenfalls die Möglichkeit noch weiter rumzukommen, ohne dafür große Finanzen aufwenden zu müssen. Ein Traum!“

Ob sie ihre Freiheit dauerhaft der Sicherheit einer Festanstellung vorzieht? Die Wahlrheinländerin, die im niedersächsischen Hildesheim aufgewachsen ist und unter anderem ein paar Jahre in Holland gelebt hat, macht sich darüber keine Gedanken. Die Abwechslung ihrer unterschiedlichen Betätigungsfelder sei genau das, was sie immer gesucht habe. „Gerade ist es zu 100 Prozent gut so, wie es ist.“

Foto: sabrinahoffmann.com

P.S. Falls du wissen möchtest, wie du deine Berufung findest, habe ich einen Buchtipp für dich:

Liebe-deine-Arbeit-katharina-pavlustyk

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4 Comments

  • Reply Nela 30. November 2015 at 8:08

    Danke für den tollen Einblick! Gerade zum Thema, dass man auch heute noch fragende und ungläubige Blicke erntet, wenn man mit über 30 noch nicht an Kinderplanung denkt, ist es mir unlängst so gegangen, dass eine 18jährige total fassungslos war und absolut nicht verstehen konnte, warum mir Familienplanung weniger wichtig sind. Mir scheint, dass es für die meisten Menschen das ultimative Ziel ist, für mich aber nicht. Wenns passiert ist es gut, wenn nicht, dann ist es auch gut. Und selbst dann bedeutet das für mich nicht, den gewählten Lebensstil aufgeben zu müssen 🙂 … Ich denke als Selbständige und digitale Nomadin lernt man ohnehin viel flexibler mit allem umzugehen 🙂

    Bin schon sehr gespannt auf die weiteren Solopreneurinnen und Erfolgsgeschichten! Das motiviert 🙂

    Liebe Grüße,
    Nela

    • Reply journalito 30. November 2015 at 9:15

      Hallo Nela,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Es ist wirklich so, dass viele Menschen in ihrem Rollenverständnis feststecken. Ich denke, auch männliche digitale Nomaden bekommen von Freunden oder Verwandten zu hören, sie sollen doch endlich sesshaft werden. Bei Frauen ist es nochmal heftiger, weil sie nun mal diejenigen sind, die Kinder austragen können. Oft verstehen es die Leute nicht, dass wir unser Leben nicht an Kindern ausrichten wollen. Und leider hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass es viel Zeit braucht, um eingefahrene Meinungen zu ändern. Viel Zeit…
      Liebe Grüße
      Katharina

  • Reply Feli 1. Februar 2016 at 10:17

    Super inspirierend, bestätigend und ermutigend! 🙂 Danke für diesen tollen Einblick. Das lässt mich wirklich noch mehr daran glauben, vom Schreiben und Lehren leben zu können – es tut gut zu wissen, dass es möglich ist! 🙂

    Liebe Grüße, Feli

    • Reply journalito 1. Februar 2016 at 10:28

      Liebe Feli,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Es freut mich, dass meine Geschichten dich ermutigen. Genau das ist mein Ziel 🙂
      Alles Gute dir!
      LG
      Katharina

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