Berufung finden und leben: Mo und Achim Meurer

Jeden Tag das tun, was man mag. Die eigene Berufung finden und leben. Für Monika und Achim Meurer gibt es nichts Schöneres. Die zwei sind auf der Walz wie die Handwerker, nur etwas moderner: Die Social-Media-Expertin und der Profi-Fotograf kommen auf Einladung ihrer Kunden in Hotels, touristische Unternehmen und weitere Destinationen und üben dort ihr jeweiliges Handwerk aus.

Südtirol, Madeira, Portugal: Eine Homebase haben Monika und Achim nicht mehr. Ihr Mietshaus ist gekündigt, ihre Sachen haben sie verschenkt. Sie befinden sich auf der Walz und tun das, was sie gern tun. Im Interview erklären sie ihr Konzept und sagen, welche Eigenschaften du mitbringen solltest, um auch dein eigenes Ding zu machen.

Journalito: Wie seid ihr auf die Idee des Walz-Konzepts gekommen?
Monika: 2013 haben wir miterlebt, wie schnell Träume zerplatzen können, und wurden wieder einmal gewahr, dass man nichts in die ferne Zukunft verschieben soll. Und da wir sehr gerne reisen und die Welt kennenlernen möchten, haben wir überlegt, wie wir das tun können. So viel Urlaub gibt es gar nicht, um all die Reisen machen zu können, die wir uns wünschen. Auf der anderen Seite lieben wir beide unseren jeweiligen Beruf. Nach einer Reise nach Jordanien, die nach einem ähnlichen Muster verlief, haben wir dann das Walz-Konzept entworfen und mehrmals überarbeitet.

Journalito: Erklärt doch bitte einmal das Konzept. Was macht ihr genau?
Monika: Achim ist gelernter Fotograf und damit seit mehr als 20 Jahren bereits selbständig. Ich habe zuletzt als Social-Media-Beraterin gearbeitet und mich dabei auch intensiv mit dem Thema Content beschäftigt. Wenn wir zum Beispiel in einem Hotel sind, macht Achim vornehmlich Fotos von den Zimmern oder der Wellnessabteilung. An Destinationen geht es um Landschaften, Aktionen, Handwerk und Kulinarik. Wir sind fast immer zusammen unterwegs und ich berichte über alles, was wir erleben. Auf Twitter gibt es quasi die Live-Reportage und im Blog die Zusammenfassung.

Journalito: Wieso dieses Konzept? Was gefällt euch an eurem eigenen Business?
Monika: Wir waren beide schon bis auf eine kurze Ausnahme selbständig und hatten zwar keinen „9 to 5“-Job, aber haben doch viel Zeit im Büro und am Computer verbracht. Jetzt arbeiten wir zwar auch am Computer, aber eben nicht mehr in unserem jeweiligen Büro, sondern da, wo andere Urlaub machen. Am meisten fasziniert uns, dass wir so viel Neues entdecken und lernen können und dass wir unseren Wunsch zu reisen mit unserer Arbeit kombinieren können.

Journalito: Wie sieht euer Alltag und die Arbeit vor Ort genau aus?
Monika: Wir reisen von Unterkunft zu Unterkunft und bleiben mindestens eine Woche vor Ort. Die Hälfte der Zeit arbeiten wir auf Auftrag und der Rest der Woche gehört uns. Je nach Auftraggeber sind die Aufgaben thematisch etwas anders. Wenn uns ein Hotel direkt bucht, dann gibt es viele Fotos aus dem Hotel, von Zimmern, der Wellnessabteilung oder dem Restaurant. Bei einer Destination gibt es viele Landschaftsaufnahmen oder Fotos von Aktionen. Andere Themen von uns sind Kulinarik und natürlich Handwerk.

 

Journalito: Wie läuft euer Business? Wie sind eure Einnahmen? Auf eurem Blog habe ich gesehen, dass ihr bis Oktober ausgebucht seid.
Monika: Den Content oder unsere Dienstleistungen gibt es gegen Vollverpflegung und Logis und ein Wochenhonorar. Ja, wir sind tatsächlich bis Ende September fast durchgängig gebucht. Die Wochenrate haben wir so gewählt, dass unsere Kosten gedeckt sind. Wenn es ginge, würden wir es rein gegen Kost und Logis anbieten, aber es gibt halt noch einige Dinge, die bezahlt werden müssen, wie Krankenkasse und Versicherungen.

Journalito: Was hat sich für euch seit Start der Walz verändert?
Monika: Bis auf die Arbeit hat sich alles verändert. Es gibt kein Zuhause mehr. Keine eigenen Sachen wie Möbel oder Küchenutensilien, Bettwäsche oder Dekosachen. Wir sind immer genau da zu Hause, wo wir gerade sind. Jede Woche haben wir eine andere Einrichtung und Deko. Die Kunst ist, sich überall wohl zu fühlen, ohne von äußeren Dingen abhängig zu sein. Finanziell hat sich einiges entspannt, da wir fix gebucht sind und einen Festpreis haben. Vorher war das Leben als Ein-Personen-Unternehmer oft ein Auf und Ab. Das ist jetzt – vor allem mit der enormen Vorbuchungszeit – deutlich entspannter.

Journalito: Eine positive Veränderung.
Monika: Genau. Eine weitere Veränderung ist, dass sich bei uns Arbeit und Privatleben jetzt total vermischen. Wenn wir eine Wanderung dokumentieren, dann genießen wir das Wandern. Privat würden wir ja auch wandern und zwischendurch Fotos machen und darüber twittern. Es vermischt sich alles. Wenn wir die Kulinarik einer Region erforschen, dann sitzen wir vielleicht noch länger mit dem Wirt zusammen bei einem Glas Wein. Was davon ist Arbeit und was ist Privatleben? Trotzdem muss man sich Auszeiten gönnen zum Erholen.

Journalito: Wie kann jemand so wie ihr sein eigenes Ding machen, seine Berufung finden und leben? Welche Eigenschaften, welches Wissen braucht er dazu?
Monika: Auf jeden Fall nicht auf die lange Bank schieben. Und über den Tellerrand schauen. Wenn es den Beruf oder das Projekt noch nicht gibt, dann setzt euch hin, macht ein Brainstorming, fragt andere und findet euer eigenes Ding. Wir leben gerade in einer Gesellschaft, wo ständig neue Berufe entstehen. Jeder kann eigentlich das machen, was er will; auch zum Teil ohne Studium oder Ausbildung. Man sollte aber authentisch bleiben und wirklich das tun, was man gerne tut.

 

Journalito: Das Walz-Konzept ist ja in eurer Form auch neu. Welche Hürden musstet ihr deshalb überwinden?
Monika: Viele Institutionen tun sich schwer mit Neurungen. Für vieles gibt es auch noch keine Regelung, etwa wenn man keinen festen Wohnsitz mehr hat. Mit einigen Ämtern kann man nicht per E-Mail kommunizieren. Briefe landen an unserer Meldeadresse, wo wir aber nie sind. Versuch mal eine Steuererklärung unterwegs in einem Hotelzimmer zu machen, ohne von Ordnern mit Belegen umgeben zu sein. Personalausweis beantragen, Auto ummelden, Arzttermine ausmachen … Alles gar nicht so einfach, wenn man jede Woche woanders ist. Aber wir haben viel gesurft. Hilfreich sind Seiten und Foren von digitalen Nomaden (siehe unten), obwohl wir da auch nicht so ganz ins Schema passen. Aber es gibt einige Überschneidungen.

Journalito: Nomaden seid ihr ja allein durch euer Konzept – und digital arbeitet ihr teilweise auch. Wo soll es für euch in fünf oder zehn Jahren hingehen, welche Ziele habt ihr?
Monika: Der Weg ist das Ziel, wie es so schön heißt. Wir wollen reisen und arbeiten. Ob und wo wir jemals wieder sesshaft werden, wissen wir noch nicht. Wir hatten uns ursprünglich zwei Jahre vorgenommen. Im Moment sieht es so aus, als ob es deutlich mehr werden. Aber wenn es uns nicht mehr gefallen sollte, werden wir aufhören und uns vielleicht wieder irgendwo niederlassen. Es gefällt uns im Moment aber so gut, dass wir uns das kaum vorstellen können.

P.S. Falls du wissen möchtest, wie du deine Berufung finden und leben kannst, habe ich einen Buchtipp für dich:

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