Seine Bestimmung finden: Sylvia Odigie

Du bist unzufrieden mit deinem Job, deinem Leben. Du weißt, dass du etwas anderes machen willst, doch was? Du suchst und suchst, aber du findest keinen Ausweg. 

So ging es Sylvia Odigie (40) mehrere Jahre. Sie hatte nie einen Plan, was sie glücklich machen könnte – bis vor wenigen Monaten. Und wenn sie heute von ihrem Projekt erzählt, strahlt sie übers ganze Gesicht. Eine Geschichte darüber, wie man seine Bestimmung finden kann.

Nach ihrem Abitur und einer Ausbildung zur Immobilienkauffrau war Sylvia nicht zufrieden. „Ich war immer auf der Suche“, stellt sie fest. Auf der Suche nach einer Leidenschaft, ihrer Berufung.

Sie glaubte, sie nach ihrem Studium der Informationswirtschaft finden zu können. Eine Idee, wohin sie dieser generalisierte Studiengang führen sollte, hatte sie allerdings nicht.

Das änderte sich mit dem Diplom in der Hand nicht.

Also probierte Sylvia verschiedene Jobs aus, nur um festzustellen, dass sie nicht für sie geschaffen war. Oder andersherum. Sie arbeitete unter anderem bei einer Künstleragentur. „Dafür hatte ich zu wenig Killerinstinkt, hat man mir gesagt.“ Sie arbeitete in einer Medienagentur und fühlte sich rastlos

Fast 30 Jahre alt – und dennoch hatte die Düsseldorferin keine Ahnung, welcher Job sie glücklich machen könnte. „Ich habe viel ausprobiert, war diszipliniert, aber durchschnittlich“, sagt sie.

Natürlich.

Wie können wir die beste Version von uns selbst sein, wenn wir uns täglich acht Stunden und mehr damit beschäftigen, Vorgaben anderer zu erfüllen, Aufgaben zu erledigen, die uns nichts bedeuten?

Zu diesem Zeitpunkt wusste Sylvia noch nicht, dass ihr die Arbeit im Büro in vorgegebenen Strukturen einfach nicht liegt. Sie suchte.

Und einige Jahre später war sie der Lösung schon sehr nah.

Sie ging für ein Jahr nach Kanada, machte Work & Travel, um ihr Englisch zu verbessern. „Ich hatte zwar vieles ausprobiert, mich aber immer innerhalb meiner Komfortzone bewegt. Das hat nie viel Mut erfordert.“ 

Ihr Ausbruch ins Ausland stärkte Sylvia. Nach diesem arbeitete sie ein Jahr lang in London, ihrer Geburtsstadt, im Vertrieb eines Sprachreisenanbieters. Doch sie glitt zurück in alte Muster, fühlte sich unzufrieden und unterfordert.

Statt aber etwas zu ändern, biss sie die Zähne zusammen. „Sei zufrieden mit dem, was du hast“, ermahnte sie sich in Gedanken selbst.

Es folgte der nächste Tapetenwechsel: Sylvia ging wieder nach Deutschland, um für denselben Sprachreisenanbieter in einem Posten mit mehr Verantwortung zu arbeiten. Irgendwann schlich sich die Routine ein. Und bezahlt wurde der Job auch nicht sonderlich gut.

„Jeden Tag um die gleiche Zeit aufstehen, die gleiche Bahn nehmen, im Büro und in der Pause beim Bäcker die selben Menschen sehen“, das wurde für die heute 40-Jährige zu einer immer größer werdenden Qual.

Sie fühlte sich im Office fehl am Platz.

Ein Buch brachte Veränderung: In „The Element“ stellt Ken Robinson die Theorie auf, dass jeder ein angeborenes Talent besitzt und dass dieses, gepaart mit der eigenen Leidenschaft, zu einem zufriedenen Leben führt, zu persönlichen Höhen, die man nie für möglich gehalten hat.

„Langsam ist mir ein Licht aufgegangen: Ich würde immer mittelmäßig bleiben, wenn ich nicht etwas für mich aussuchte“, sagt Sylvia. 

Sie änderte etwas, doch nicht genug. 

Sie arbeitete von zu Hause, doch der Vertriebsjob machte ihr immer noch keinen Spaß. Sie wechselte die Branche, konnte aber auch nicht glänzen.

Da stand sie: Sie hatte etwa zehn Jahre Berufserfahrung, hatte international gearbeitet, Jobs mit Verantwortung übernommen und war – arbeitslos und unglücklich.

Es war eine lange Odyssee, bis die Düsseldorferin wusste, was sich für sie gut anfühlt. Seine Bestimmung finden – das ist manchmal ein langer Weg, eine Route voller Umwege.

Ihr erster Schritt in die Selbständigkeit erwies sich als Sackgasse. Auch ihre zweite Idee, in der es um Youtube-Marketing ging, scheiterte. „Ich hatte mir gesagt, ich will Online-Freelancerin sein, aber mir war nie klar, WIE. Ich hatte keine Vision und keine Energie, Kunden zu akquirieren.“

Schon nach kurzer Zeit fühlte sich das Erstellen von Videos auf Youtube zum Thema „digitales Nomadentun“ falsch an. Einfach falsch.

Keine Vision, keine Energie. Das wollte Sylvia ändern.

Zum ersten Mal in ihrem Leben nahm sie sich Zeit für sich selbst, um herauszufinden, was sie wirklich machen möchte, was ihr von Natur aus Spaß macht. Sie hat viel gelesen, Online-Kurse absolviert, sich informiert.

Sie erkannte: Der Online-Job, der für eine Person funktioniert, funktioniert nicht zwangsläufig für eine andere. Es gibt nicht den einen Weg.

Und Sylvias Weg ist: ein Reiseblog. Sie liebt das Reisen, sie mag das Schreiben. So einfach kann es sein.

Die 40-Jährige startete von Fuerteventura, wohin sie im März für einige Zeit geht, ihren Blog „The Voyage Years“. Ihre Wohnung hatte sie schon nach ihrer ersten Selbständigkeit komplett aufgelöst und lebt seither aus dem Koffer.

Ihr Plan, Reisebloggerin zu sein, fühlt sich für Sylvia nach mehreren Jahren der rastlosen Suche richtig an. Und auch wenn sie weiß, dass der Aufbau und die Monetarisierung eines Blogs viel Zeit und Arbeit in Anspruch nehmen, will sie es wagen.

Sie sagt: „Ich habe Gelassenheit gefunden.“

Und das ist es doch, wonach wir alle streben. Zufriedenheit, Gelassenheit, Glück.

Sylvias Geschichte zeigt, dass es sehr lange dauern kann, bis man seinen Weg findet. Aber auch, dass wir uns Zeit für uns selbst nehmen müssen, um herauszufinden, in welche Richtung wir überhaupt gehen wollen. 

Manchmal müssen wir einige Dinge ausprobieren, um festzustellen, dass sie nicht zu uns passen. Manchmal haben wir eine Eingebung und erkennen unsere Talente, die so selbstverständlich für uns sind. 

Sylvias Geschichte belegt noch eines: dass es sich lohnt, nicht aufzugeben, zu suchen. Und zu finden.

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3 Comments

  • Reply Sylvia @ The Voyage Years 2. Mai 2016 at 14:36

    Katharina,vielen lieben Dank, dass du meine Geschichte so schön aufgeschrieben hast. Ich sende dir ganz liebe Grüße aus Fuerte! xo Sylvia

    • Reply journalito 3. Mai 2016 at 10:28

      Liebe Sylvia,

      ich danke dir dafür, dass du deine Geschichte mit meinen Lesern teilst.
      Alles Gute weiterhin und vielleicht bis bald.
      Katharina

  • Reply Sylvia @ The Voyage Years 11. Mai 2016 at 16:21

    Vielen Dank Katharina und bestimmt bis bald 🙂

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