Berufung finden mit Flow: Marcela und Alex

Mit „On Board“ haben die Kolumbianerin Marcela Fernández und der Deutsche Alexander Kluge eine Art Outdoor-Klassenzimmer geschaffen. Zusammen mit anderen lernen sie, während sie reisen. Mit ihrem Projekt tun sie jeden Tag, was sie lieben. Ein Interview darüber, wie man seine Berufung finden kann, indem man dem Flow-Gefühl folgt.

Journalito: Was macht ihr genau?
Marcela: Wir bieten Reisen an, bei denen man gleichzeitig etwas lernt. Das passiert in kleinen Gruppen mit fünf bis 15 Personen. An Orten, die wir auswählen, kommen wir in Kontakt mit den Einheimischen, mit der Gemeinschaft, mit Mentoren und Unternehmern. Wir sehen das jeweilige Land durch die Augen der Einheimischen. In Kolumbien, meiner Heimat, haben wir uns eine Kaffeeplantage angeschaut und mehr über das Leben der Kaffeebauen erfahren. In Slowenien haben wir eine Kellerei besucht und mit Weinverkäufern gesprochen. In Guatemala haben wir mehr über die indigene Bevölkerung und ein Tierschutzprojekt erfahren.

Journalito: Warum macht ihr das?
Marcela: Wir nutzen das Reisen, um unser und das Leben anderer Menschen zu verändern. Ich habe eine Leidenschaft für alternatives Lernen. Vor „On Board“ hatte ich das Gefühl, mit dieser Leidenschaft allein zu sein. Auf Reisen ist es doch meist so, dass die Menschen vor der Realität, dem echten Leben fliehen. Sie lernen nicht wirklich die Einheimischen und ihre Kultur kennen. Ich sehe die Welt als ein Klassenzimmer, um persönlich und auch beruflich zu wachsen.

Journalito: Was habt ihr vor ,On Board’ gemacht?
Alex: Ich habe International Media und Computing studiert. Ich hätte mir einen „normalen“ Job suchen können, aber ich habe schon während des Studiums als Freelancer gearbeitet und das hat mir gefallen.
Marcela: Ich habe Journalismus studiert, das Studium aber abgebrochen. Wir haben ein System, das dir keine Garantien gibt – weder in beruflicher, noch in persönlicher Hinsicht. Du wirst nicht zwangsläufig glücklich, nur weil du studiert hast. Du brauchst keine Institution, die dir sagt, wer du bist. Es gibt auch andere Wege, wie du lernen, dich entwickeln und deine Berufung finden kannst.

Journalito: Welche sind eure Stärken?
Marcela: Ich sehe die Fähigkeiten anderer Menschen, kann mich gut in andere einfühlen und ihnen helfen, voranzukommen. Der Kontakt mit anderen ist eine weitere Stärke, ich mag es, Menschen zu inspirieren und zu motivieren.
Alex: Marcela kann Menschen am besten unterstützen und inspirieren, wenn sie in einer größeren Gruppe ist. Bei mir funktioniert das besser von Angesicht zu Angesicht. Und dann bin ich auch noch gut in allem, was das Digitale angeht, kümmere mich um die Webseite beonboard.org und deren Community. Ich finde, Marcelas und meine Stärken passen richtig gut zusammen bei unserem Projekt.

Journalito: Wie steht ihr zur Berufung? Hat jeder eine?
Marcela: Berufung ist dort, wo Flow* ist, worin du ganz aufgehst. Und es ist eine Entwicklung, wenn du deine Berufung finden willst. Wer die Augen davor verschließt, dass er tatsächlich eine Gabe, eine Berufung in sich trägt, verliert aus dem Blick, warum er eigentlich auf dieser Welt ist.
Alex: Der Sinn im Leben ist zu leben. Jeder von uns ist ein Künstler, die meisten machen sich bloß keine Mühe, ihre Kunst und all die Schönheit, die mit ihr verbunden ist, zu finden. Denn wer seine Berufung finden will, braucht Zeit.

Journalito: Wie findet man Flow?
Marcela: Flow hat für mich verschiedene Facetten: Da ist der Moment des Erwachens, wenn du plötzlich verstehst, wie du vorher gelebt hast und wie es künftig sein kann. Da sind Momente, die dir zeigen, dass du auf dem richtigen Weg bist, oder solche, die dich in einen Zustand der Dankbarkeit versetzen. Du folgst deiner inneren Stimme, siehst den Flow als Geschenk und negative Erlebnisse als versteckte Chancen.

Journalito: Wieso ist das wichtig?
Marcela: Scheitern ist wichtig, es lehrt dich, zeigt dir deine Schwächen und stärkt deinen Drang, etwas zu vollenden. Es bringt dich dazu, wieder aufzustehen, wenn du gefallen bist.

JournalitoWas bedeutet Erfolg für euch?
Alex: Für mich ist es unsere alternative Art zu reisen und gleichzeitig zu lernen.
Marcela: Ich mag den Begriff „Erfolg“ nicht, weil er oft missbraucht wird. Ich nenne es lieber Wohlstand – und das bedeutet für mich, das Leben anderer Menschen positiv zu beeinflussen und meiner Berufung zu folgen.

 

Bücher zu Flow, die Marcela und Alex empfehlen, sind Titel von Mihaly Csikszentmihaly. Etwa dieses:

 

* Der Begriff „Flow“ geht zurück auf den emeritierten Psychologie-Professor Mihaly Csikszentmihalyi. Flow heißt, dass du in einer Tätigkeit vollkommen aufgehst und dabei die Zeit vergisst.  In meinem Artikel „Hör auf nach Glück zu suchen, finde den Flow“ gehe ich auf das Phänomen des Flow ein.

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Katharina

 

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