Lebensaufgabe finden: Birgit Fritz

Oft nehmen Lebensläufe einen Zickzackkurs. Und nicht selten ist dies genau das Richtige, um zu seiner wahren Berufung oder zu seinem Glück zu gelangen. Diese Erfahrung hat Birgit Fritz (50) gemacht. Die Düsseldorferin erzählt Geschichten – und ihre Geschichte zeigt, dass es manchmal seine Zeit dauert, wenn man seine Lebensaufgabe finden will. 

Ich treffe Birgit nicht in einem Café in Düsseldorf, sondern im „Glückfinder“-Wohnmobil von Andreas Gregori (39). Ihn habe ich im vergangenen Jahr kennengelernt – und interviewt: www.journalito.com/glueck-ist-so-einfach.

Bis in den August hinein ist Andreas mit seiner Frau Bettina in einem Wohnmobil durch Deutschland unterwegs und tut das, was er am liebsten macht: Er spricht mit Menschen, die ihr Glück gefunden haben. Heute ist das Birgit.

Seit sie denken kann, hat sie schon Geschichten erzählt, in ihrem Kopf Fantasiewelten erschaffen.

Vier oder fünf Jahre alt war sie, als sie entschied, sie würde Märchenerzählerin werden. „Ich habe mich mit grauen Haaren in einem Lehnstuhl gesehen – mit vielen Kindern um mich herum, die mir zuhören“, sagt die gebürtige Ratingerin. 

In einem Alter jedoch, in dem die Berufswahl näher rückte, hörte sie auf ihren Vater. Dieser riet ihr, etwas „Anständiges“ zu lernen. Seine Tochter sollte mit ihren Füßen auf dem Boden bleiben, einen Beruf ergreifen, der ihr auch Geld einbringt. Nix mit Lebensaufgabe finden. Stattdessen einen „vernünftigen“ Beruf lernen…

Also ließ sich Birgit zur hauswirtschaftlich-technischen Assistentin ausbilden – und stellte fest, dass sie eine Hautschwäche hat: Chemikalien aus Reinigungsmitteln gelangen über ihre Haut sofort in den Organismus. 

Sie orientierte sich neu, arbeitete in einem Geschäft für Kinderkleidung und -spielzeug – bis ihre Stelle wegrationalisiert wurde. 

Und wieder ein Neuanfang – diesmal als Erzieherin.

Birgit machte noch eine Ausbildung und fühlte sich wohl, vor allem, wenn sie den Mädchen und Jungen vor dem Mittagsschlaf Geschichten erzählen durfte. Doch zwei Betriebsunfälle – einer davon ein Treppensturz, bei dem ihre Wirbelsäule verletzt wurde – zwangen sie zum Umdenken.

Als Erzieherin hatte die heute 50-Jährige eine Fortbildung zur Märchenerzählerin gemacht und setzte alles auf eine Karte: Aus der Festanstellung heraus machte sie sich selbständig. Das war Anfang 2007.

Bedenken, dass das Ganze nicht funktionieren, dass sie als Erzählerin scheitern könnte, hatte sie nie.

„Das war der nächste Schritt, den ich gehen wollte – gehen musste“, sagt sie. Ihr Vater habe zunächst Zweifel geäußert. „Aber als er gehört hat, wie ich erzähle, sagte er: ,Wenn es eine schafft – dann du’“, berichtet Birgit. Eine schöne Anerkennung für die energische Frau mit den leuchtenden Augen. Ende 2007 starb ihr Vater.

Es war für Birgit das Richtige, ihrem Herzen zu folgen und so tut sie nun im zehnten Jahr das, was sie am liebsten tut: Geschichten erzählen. Eigene Geschichten und die anderer Autoren. Lustige und traurige Geschichten. Mythen, Volkslieder, Gedichte, Märchen, Erzählungen. Etwa 180 davon hat sie im Repertoire, die sie Kindern und Erwachsenen erzählt.

Sie ist glücklich, weil sie liebt, was sie tut. Weil sie irgendwann ihre Lebensaufgabe finden und ihre von Geburt angelegten Talente ausleben wollte. Jeden Tag lebt sie ihre Berufung und kann sich keinen anderen Beruf vorstellen.

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